Ich wollte nie nach Nepal

   Unterwegs mit mir

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Freitag, den 14.04.2006          Ich wollte nie nach Nepal

 

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….Wir frühstücken draußen auf der Terrasse. Karfreitag, halb acht im Sonnenschein, fern der Heimat, mit Blick auf Ama Dablam und Lhotse, das hat nicht jeder. Ich krame aus meiner Tasche ein Fläschchen mit Seifenblasen und setze mich zu den drei Mädchen. Da noch nicht alle zum Frühstück erschienen sind, haben wir Zeit. Jürgen gebe ich ein Zeichen zum Filmen, und Susanne folgt mir mit dem Fotoapparat. Und die Show kann los gehen, im wahrsten Sinne des Wortes. Eines der Mädchen hat mich schon mit Argusaugen beobachtet und erhofft sich sicher noch ein Geschenk. Ich winke ihr, und wie auf Verabredung sind auch die anderen beiden zur Stelle. Demonstrativ schraube ich die bunte Flasche auf, ziehe den Ring aus der Flüssigkeit und puste. Die ersten Seifenblasen tanzen und fliegen im Wind. Die Mädchen jubeln vor Freude und springen den Blasen nach. Das Spiel wiederhole ich mehrmals, sehr langsam, um ihnen Zeit zu lassen, die Blasen, die zu hoch sind, zumindest mit den Augen zu verfolgen. Durch das Toben und Lachen der Kinder werden noch andere auf uns aufmerksam, und so ist es eine allgemeine Unterhaltungsshow am frühen Morgen. Schnell haben auch andere ihren Fotoapparat zur Hand. Ich nehme mir das größte Mädchen zur Seite, zeige ihr, wie die Flasche verschlossen wird und übergebe ihr das Fläschchen. Sie bedankt sich und macht nun für die anderen beiden Blasen. Schade, denke ich, dass es nur eine begrenzte Freude ist. Bei uns würde man dann noch Spülmittel mit Wasser mischen und das Spiel fortsetzen, aber ob man hier so was weiß, ist mir schleierhaft……

 

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…Während wir so sitzen, kommt die Chefin des Hauses und beginnt eine Opferzeremonie. Erst jetzt nehme ich wahr, dass unweit von unserem Tisch, vielleicht einen Meter entfernt, auf der Mauer ein großer Stein auf die Mauer aufgesetzt ist, der da nicht hingehört. Der flache Stein davor und dieser andere Stein als Rückwand sind schwarz gerußt. Sie stellt vor den aufgestellten Stein eine Schale, füllt aus einer Blechbüchse Reis hinein und entzündet das Ganze. Es qualmt und stinkt fürchterlich, was wohl nur uns zu stören scheint. Sie kniet nieder und betet mit gefalteten Händen und mit Verneigungen einige Minuten. Dann geht sie mit der Büchse wieder ins Haus und das Opferfeuer schwelt weiter. Vögel kommen geflogen, setzen sich trotz unserer Nähe auf die Mauer und picken verstreute Reiskörner. Sie scheinen das morgendliche Ritual zu kennen und immer hier zu frühstücken. Susanne fotografiert. Die Idylle unseres Frühstücks war bis dato perfekt. Jetzt stört allerdings der fürchterliche Gestank des verbrannten Reises in unseren verwöhnten europäischen Nasen…

 

Samstag, den 15.04.2006

 

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…Susanne ist noch nicht gut drauf, das merke ich erst bei dieser Bergaufstrecke. Ich gehe mit ihr ganz langsam, nur noch Ram ist hinter uns. Sie muss erst den richtigen Rhythmus finden. Es geht auch Stufen bergauf, und wir haben ganz schön zu tun. Susanne mault nicht, lässt sich aber auch nicht zu einem Späßchen hinreißen. Und das will was heißen. Ich lasse sie mit Fotografieren in Ruhe, denn dafür hätte sie jetzt kein Verständnis. Aber dann erreichen wir ein Eingangstor, ohne dass dahinter wirklich ein Ort beginnt. Ich bleibe davor stehen und schaue mich um. Ich lasse auch Susanne anhalten und schauen. Ein herrlicher Blick zurück entschädigt für die Mühen. Das Kloster von gestern auf dem Bergrücken liegt im strahlenden Sonnenschein, und ich glaube, die Tatsache, dass wir bereits wieder so eine enorme Entfernung hinter uns gebracht haben, baut auch Susanne ein wenig auf. Mit Sicherheit dient ihr dieser Blick aber zum Verschnaufen …und das ist gut so. Langsam ziehen wir gemächlich weiter. Meistens kümmere ich mich um niemanden aus der Gruppe, Familienangehörige natürlich ausgenommen. Ich hänge meinen Gedanken nach und frage mich zum x-ten Mal, was ich hier tue? Was erzähle ich zu Hause, wenn man mich fragt, wie der Urlaub war? Das, was hier abgeht, glaubt kein Mensch und ist wohl auch nicht wirklich Urlaub!?    weiter