CIMG2170a Wegmarkierung

Der Ökumenische Pilgerweg durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thueringen

Route3a
Route1b

1.Tag Montag 02.07.12

„Da ich schon seit 5:00 Uhr wach bin, stehe ich auf und pilgere schon 05:30 los … Noch in Görlitz bin ich angenehm überrascht, dass ein Bäckerladen bereits ab 5:30 Uhr zum Frühstück einlädt. Natürlich kehre ich beim “Jesusbäcker“ ein.

Die Strecke aus Görlitz hinaus zieht sich unendlich, aber es ist alles gut ausgeschildert. Nach 8 km mache ich erst einmal Frühstück. RastDie Sonne scheint und bereits um 8:00 Uhr ist es so warm, das ich nur noch im Top laufen kann. Ich treffe zwei ältere Herren, die bis Leipzig pilgern wollen und gemeinsam kehren wir auf der „Hochsteinbaude“ ein. Sie ziehen schon eher weiter, doch ich gönne mir die Pause bis um 11:00 Uhr. In Arnsdorf, um 12:00 Uhr, kann ich die offene WegmarkierungKirche besichtigen. Nach einer halben Stunde ziehe ich weiter durch die Mittagshitze. In Melaune mache ich eine ausgiebige Mittagsrast und entschliesse mich, noch weiter bis Buchholz zu laufen. Das war glaube ich ein Fehler, denn der Weg führte ausschliesslich über Betonstrasse bzw.. normale Fahrstrasse. Um 15:15 Uhr wird mir die Herberge aufgeschlossen und ich muss erstmal mein Bett in Beschlag nehmen. Ich habe ein Zimmer mit 2 Betten, bin mal wieder ganz allein in der Herberge. Nach 3 Stunden Ruhepause fühlen sich nun meine Füsse etwas besser an. Wie weit sie mich morgen tragen werden, muss ich abwarten. Die Herberge in Buchholz (altes evangelisches Pfarrhaus) ist ein schönes umgebautes altes Gebäude. Die voll eingerichtete Küche und der gefüllte Kühlschrank stehen gegen eine Spende zur freien Verfügung. Ich gönne mir ein Bier, damit meine Füsse heut Nacht auch schlafen können. Mittlerweile sieht es auch hier nach Regen aus. Morgen soll es kühler sein.“

Viele Grüsse.......Beate

2.Tag Dienstag 03.07.12

 Es gewittert fast die ganze Nacht und es regnet wahnsinnig viel. Das kann ja heiter werden. Als ich um 5:00 Uhr aufwache, regnet es immer noch. Also nichts mit aufstehen. Um 8 Uhr bin ich Abmarschbereit, heute will ich ja nicht so weit laufen. Mir tun immer noch die Fersen weh. Es geht meist Feldwege und durch den Wald. Eklig viele Schnecken über die man die Füße heben muss.Ich werde bewacht von einem Hund Es regnet nicht, ist aber trotzdem bedeckt und schwülwarm. Nach dem Ort Weißenberg geht man an einem Fluss entlang und da haben die Mücken auf mich gewartet ;-) Wahnsinn !!!!!!!!!! Ehe ich überhaupt mein Hemd zumachen kann, haben sie mich schon überfallen. Und das geht so weiter bis ich in meiner heutigen Herberge um 13:30 Uhr ankomme.Weißenberg Es sind nur gut 13 km gewesen, in 5 Stunden, ein „tolle“ Leistung… Aber es lohnt nicht noch weiter zu gehen, weil von hier bis Bautzen weiter keine Herberge kommt. Ich bin heute in einer Privatherberge, die Frau hat mich gleich erstmal zum Mittagessen eingeladen, mir das Haus gezeigt und mir aufgetragen, noch weitere Pilger einzulassen, weil sie weg musste. Was für ein Vertrauen !!! Tatsächlich kommen noch 2 Pilger aus Berlin, denen ich ein fremdes Haus zeige und Kaffee koche. Die Hausherrin freut sich über meinen Erfolg.

Morgen werden es sicher auch nur zwischen 13 - 15 km bis Bautzen sein und das ist gut so, weil ich dann noch Zeit habe, mir die Stadt anzusehen.    Gruss Beate

 

3.Tag Mittwoch 04.07.12

Sitze in Kubschütz auf einer Bank und freue mich , dass ich schon die Hälfte der Etappe geschafft habe.

Waltraud ist ne Wucht. Nicht nur, dass ich im Mittag bei der Ankunft schon einen Eintopf zur BegrüßungProst bekommen habe, nein – sie bereitet auch für die Pilger das Abendbrot, es gibt immer Pilgersüppchen und natürlich am nächsten Morgen auch Frühstück – das alles gegen eine Spende. So gestärkt bin ich um 8:45 Uhr heute Morgen losgezogen. Es war schwül warm, aber der Himmel wolkenverhangen. Ich bin recht langsam und gemütlich gelaufen, habe mehrmals Rast gemacht und war noch recht fit, bis vor die Tore von Bautzen. Dann hat es sich elendig lang gezogen bis in die Stadt hinein. Doch auch das habe ich mühselig geschafft und saß um 12:30 Uhr auf dem Hauptmarkt. Von da aus habe ich mir telefonisch das Zimmer im evangelischen Pfarrhaus, direkt am Pilgerweg klar gemacht. Es ist ein Zimmer mit 3 Doppelstockbetten und ich war die Letzte, die in Voranmeldung das Bett bekommen hat (Übernachtung gegen Spende). Nach ausgiebigem Duschen und Ruhen kam dann Karl dazu, ein Pilger aus Sonthofen. Danach haben wir noch einen kurzen Stadtrundgang gemacht, die Kirche besucht und im Biergarten die Seele baumeln lassen (natürlich auch gegessen und getrunken). Seit Mittag schien die Sonne und es ist noch wärmer geworden. Ich habe mir heute schon ein Bett im Kloster St. Marienstern gebucht. Das sind rund 20 Kilometer.

Ich sage Gute Nacht!

4.Tag  Donnerstag  05.07.12

Bin um Mahlzeitsechs Uhr los gezogen. Der Himmel war verhangen und Nebel lag über der Landschaft. Sitze dann am Milleniumsdenkmal (Foto rechts), laut Buch 8,7 km. Milleniumsdenkmal1Kam mir viel mehr vor. Weiter ging es nach Crostwitz und Marienstern. Kloster St. Marienstern ist in Panschwitz-Kuckau lese ich gerade. Bis dahin noch 11,5 km. Mit Verlaufen hab ich schon die Hälfte geschafft. Morgens um Zehn in Deutschland, Frühstück. In Storcha finde ich eine wunderbare Bäckerei, in der es belegte Brötchen und Kaffee gibt. Frühstück auf der Terrasse (Foto links). Diese Bäckerei schickt der Himmel. Ich wäre sehr früh dran, wenn ich jetzt schon aus Bautzen hier bin, sagt die Verkäuferin.

Ich lasse mir Zeit und schaue mir noch die Kirchen in Storcha und in Crostwitz an und suche dann die Pilgeroase von Monika in diesem Ort auf. Es ist kaum zu glauben, was in Deutschland möglich ist. Ein offener Garten, ein offenes Haus mit allem was man für eine Pause braucht: Kaffee, Tee, Kuchen, Obst, Kaltgetränke, es fehlt an nichts. Und die Besitzerin ist gar nicht zu Hause! Ich lasse es mirKloster eine Stunde lang gut gehen. Karl findet auch diese Oase und wir geniessen diese Pause. Danach machen wir uns gemeinsam auf den letzten Weg zum Kloster. Mittlerweile kommt ein Gewitter immer näher. Wir schaffen es nicht ganz bis dorthin und stellen uns im Kräutergarten unter. Um 15.00 Uhr sind wir dann endlich am Ziel. Der Ort heisst Panschkewitz-Kuckau. Das Pilgerzimmer befindet sich auf der Rückseite des Feuerwehrgebäudes an der Klostermauer. Nach der Grundsanierung besuchen wir die Vespermesse in der Kirche und wechseln dann in die Klosterschenke zum Abendbrot. Und wieder kommt das nächste Gewitter mit massiven Regenfällen, einem Unwetter ähnlich.

Die Unterkunft ist mal wieder gegen eine Spende. Ein Zimmer mit 5 Liegen, Bad, Klo und Küche und eine Klosterbäckerei. Schöne Grüsse....... Beate

5.Tag  Freitag  06.07.12

Ich bin um 6:00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein gestartet. Die Luft war angenehm frisch und es lies sich gut laufe.- Allerdings musste ich schon kurz vor Kamenz die erste Pause einlegen. Um 9:00 Uhr sass ich dann in Foto0054aeiner Bäckerei in Kamenz am Marktplatz und habe ausgiebig gefrühstückt. Leider konnte ich die Kirche nicht besuchen, weil diese erst um 10:00 Uhr geöffnet wird. Also bin ich weitergezogen, den Hutberg hinauf bei Hitze und strahlendem Sonnenschein. Dort habe ich mir den nächsten Kaffee gegönnt. Die nächste Etappe bis Schwosdorf ging es durch Wald, Feld und Wiese. In Schwosdorf wurde ich mal kurzerhand in eine Herberge eingeladen und bekam Königsbrückden nächsten Kaffee serviert. Mein heutiges Etappenziel Reichenau erreichte ich im Mittag. Das war mir zu früh – also bin ich nach einer ausgiebigen Pause weiter nach Königsbrück gelaufen, …in glühender Hitze. Die Herberge der evangelischen Kirchengemeinde ist gegenüber der Kirche. 4 Matratzen liegen in einem Raum auf dem Boden. Dusche und kleine Küchenzeile sind ebenfalls vorhanden. Das ganze wieder für eine Spende. Karl kehrt auch hier ein, so bin ich nicht allein. Zum Abendbrot kehren wir am Marktplatz beim Italiener ein, bei dem es mit Pilgerausweis Vergünstigungen gibt. Während dem Abendessen ging ein ordentliches Gewitter, mit Hagel und Sturm nieder. Gut, dass wir im Trocknen sitzen und erst zur Herberge zurück gehen, als der Regen vorbei war.

Schöne Grüsse.........Beate

6.Tag  Samstag  07.07.12

Da ich wiederPferd zeitig wach war, bin ich um 5:45 Uhr bei Sonnenschein losgewandert. Nach 8 km und 2 Stunden war ich in Tauscha. Der Weg durchs Dorf führte an einem Bäckerladen vorbei, aber leider ohne Kaffee. Aber ich habe mir Brötchen gekauft und Pause gemacht. Die nächsten 9 km bis Schönfeld habe ich in 2 Stunden geschafft. Mittlerweile war der Himmel zugezogen und es sah dauernd nach Regen aus. Nach einer Stunde Rast, habe ich mich dann doch entschlossen, die 15 km Großenhainbis Großenhain noch in Angriff zu nehmen. Karl holte mich ein und wir gingen gemeinsam. Das war allerdings ein unendlich langer Marsch. Unterwegs haben wir dann auch noch eine Pause bei einem „Mountaind Games“ (Foto links) gemacht – ein Wettkampf mit Pferden und Reitern. War interessant und angenehm zu rasten und Radler zu trinken. In Großenhain kamen wir nach vielen Pausen um 16 :00 Uhr vollkommen k.o. an. Ein fürchterlicher, neu angelegter Weg. Die Herberge ist wieder im Haus der Kirchengemeinde und ist wie eine Wohnung eingerichtet. Zwei Zimmer mit Betten, ein Aufenthaltsraum, eine Küche und das Bad – alles wieder gegen eine Spende. Nach einer 2 stündigen Pause haben wir uns dann aufgerafft, noch in eine empfohlene Gaststätte zum Essen zu gehen. Pommes und ein Radler haben mir ausgereicht. Insgesamt waren es 32 Kilometer.

Schöne Grüsse......Beate

7.Tag  Sonntag  08.07.12

Schon zur Gewohnheit geworden, starte ich um 5:45 Uhr, aber nicht allein! Die Herbergsmutter, eine Dame gut 75, lässt es sich nicht nehmen, jeden Pilger aus der Stadt hinaus zu begleiten. So hatte ich zusätzlich noch eine Stadtführung. FähreHeute pilgerte ich nur auf Radwegen. Um 8:15 Uhr erreiche ich nach 10 km Roda und mache meine halbstündige Frühstücksrast. Die Sonne scheint und es ist schon sehr warm. Um kurz nach 10 Uhr erreiche ich die Kirche in Zeithain. Dort ist um 10.15 Uhr Gottesdienst – die passende Gelegenheit, mich in der Kühle der Kirche zu akklimatisieren. Danach unterhalte ich mich noch angeregt mit den Kirchbesuchern. Mittlerweile ist es sehr schwül geworden. Um 12:45 Uhr kehre ich in die Gaststätte in Gohlis ein und gönne mir ein Radler. Hier hat mich dann Karl eingeholt, der immer später los wandert. Von da an war es bewölkt und etwas windig, es lies sich besser wandern. Gemeinsam ziehen wir am Elbufer entlang bis zur Fähre (Foto), die uns über die Elbe nach Strehla bringt. Die Herberge erreichen wir um 15.00 Uhr, nachdem wir die Kirche noch angeschaut haben. Die Herberge gehört zum dortigen Pfarramt. Ein altes, saniertes Gebäude auf 2 Etagen. Es hat alles was ein Pilger braucht, Dusche , WC, Küche und ein Schlafraum mit 6 Betten. Das Tollste ist, das es keinen Schlüssel gibt. Das Haus ist und bleibt unverschlossen für Jedermann. Für die Übernachtung wird lediglich um eine Spende gebeten. Hier in dieser Herberge treffen wir auf Matthias – den ich am ersten Tag meiner Wanderung auf dem Weg zur Hochsteinbaude schon mal getroffen hatte, der aber an diesem Tag einen Ort weiter gewandert war. Also man trifft sich immer wieder. Zu dritt ziehen wir dann abends in das Café Müller zum Abendbrot mit Wein und Wasser. Zwischenzeitlich hat es schon mal gewittert, aber jetzt am Abend ist wieder wunderschönes Biergarten-Wetter. Es könnte uns wesentlich schlechter gehen!      Beate

 

8.Tag  Montag  09.07.12

Gibt es noch Fragen wann ich heute losmarschiert bin? Ich wandere also um 5:45 Uhr aus Strehla hinaus. Die Männer schlafen noch.Bockwindmuehle Es geht viele Kilometer lang auf Feldwegen durch die Landschaft. Nach ungefähr 6 Kilometern kommt auf dem Liebschützer Berg eine Windmühle mit allerhand Skulpturen drum herum. Weiter geht es querfeldein bis Lampertswalde. Hier erwartet den Pilger ein Café in einem herrlichen Park und nebenan in der Kirche die Pilgersakristei, in der Erfrischungen auf die Pilger warten. Allerdings nicht auf mich – weil um 8 Uhr noch nichts offen hat. Frustriert mache ich kurze Rast auf einer Parkbank. Weiter geht es durch die Landschaft bis Dahlen. Bänke sind wirklich rar gesät auf diesem Pilgerweg. So erreiche ich Dahlen 9:45 Uhr nach gut 17 Kilometern. Ich frage mich zu einer Bäckerei durch und bekomme dort ein leckeres Frühstück mit Kaffee serviert. Auf dem Marktplatz sitze ich dann bis um 11:15 Uhr, ehe Karl und Matthias erscheinen. Da sie auch Kaffeedurst haben, kehre ich mit ihnen zum zweiten Mal in der Bäckerei ein. Die Verkäuferin lacht und freut sich, dass ich noch Kundschaft mitbringe. Jetzt gönne ich mir Erdbeertorte und einen Kaffee. Matthias verabschiedet sich und fährt mit dem Zug nach Hause, nach Leipzig. Karl und ich ziehen in der Mittagssonne um 12:00 Uhr weiterSchloss-boerln- nach Börln. Dort kommen wir als Erstes an einem Hotel mit Gaststätte vorbei, die aber erst um 16:00 Uhr öffnet. Das nächste ist eine Eisdiele, in die wir um 13:00 Uhr natürlich freudig einkehren und uns eine einstündige Eispause gönnen. Dann stiefeln wir zum Pfarrhaus. Zwei Frauen weisen uns ein und zeigen uns einen grossen Gemeinderaum. Hier finden erst noch zwei Unterrichtsstunden statt, Singen und Religionsunterricht. Wir können den Raum erst nach 16:30 Uhr beziehen. Zur Überbrückung schlagen sie uns die Eisdiele vor, aber das wäre zu viel des Guten! Wir lassen uns hinter dem Haus im Garten nieder. Es gesellt sich eine weitere Pilgerin aus Berlin zu uns. Um 16:30 Uhr bekommen wir grünes Licht für unseren Raum. Wir rücken Stühle und Tische zur Seite, zerren die 5 Matratzen vom Schrank und richten uns ein. Der Mann bekommt eine und wir Frauen zwei Matratzen übereinander. Hoffentlich kommt jetzt keiner mehr, sonst müssen wir wieder eine Matratze abgeben. Nebenan ist das Bad mit Dusche und WC. Eine Küche gibt es nicht, aber es ist alles vorhanden. Geschirr und Wasserkocher haben auf der Fensterbank neben den Waschbecken im Bad Platz. Kaffeemaschine und Zubehör stehen auf dem Schrank. Und alles wieder gegen eine Spende… Was will man mehr… ?? Zum Abendbrot gehen wir in die Gaststätte. Ab 19:00 Uhr bewölkt sich der Himmel und es zieht sich zu. Mal sehen, ob es heut Nacht regnen wird. Der Wetterbericht sagt Verschlechterung für diese Gegend voraus.

Grüße aus Börln!

9.Tag Dienstag  10.07.12

Es hat in der Nacht nicht geregnet. Ich wache erst um 05:20 Uhr auf, weil es draußen gerade mal dämmrig geworden ist. WurzenDer Himmel ist Wolkenverhangen, keine Sonne in Sicht. Zur gewohnten Zeit ziehe ich alleine los. Die erste Etappe bis Dornreichenbach ist eine echte Herausforderung, weil einige Muschelzeichen fehlen. Ich habe mich gleich erstmal verlaufen. Der Weg führt durch Felder und so langsam traut sich die Sonne hinter den Wolken hervor. Um 8:00 Uhr mache ich ParkFrühstück in Körlitz und breche 15 Minuten später wieder auf. Es geht auf der Landstraße in die Stadt Wurzen hinein. Kurz nach 9 Uhr komme ich am katholischen Pfarramt vorbei, klingele spontan und frage nach einem Stempel. Man ruft mir eine ältere Dame, die mir die katholische Kirche nebenan aufschliesst. Dann ziehe ich weiter in die Stadt hinein. In dem „Café am Busbahnhof“ sitze ich im Biergarten und gönne mir den Kaffee des Tages, dann ziehe ich weiter in die Innenstadt und muss sagen … ein hübsches Städtchen! Ich kann auch noch die andere Kirche (Wenceslaikirche) besichtigen, da der Organist gerade in der Kirche übt. Um 11 Uhr verlasse ich die Stadt und komme an der Wurzener Bäckerei vorbei. Ein riesiges Unternehmen. Wer kennt es noch, das Knäckebrot und die Kekse aus Wurzen!? Im ParkUm 12:15 Uhr erreiche ich Nepperwitz und lasse mich unter einem riesigen Lindenbaum nieder. Ich habe Zeit, um auf meine zwei nachkommenden Pilger zu warten, die beide nicht gerne so früh aufstehen. Zwischenzeitlich kommt ein mobiler Bäckerladen und so genieße ich Käsehörnchen und fühle mich sauwohl. Karl und Corinna kommen um 13 Uhr an. Wir besichtigen zusammen dort noch die alte Kirche mit einem super modernen Altar. Muss man gesehen haben!! Um halb 2 ziehen wir eine Stunde durch die Mittagshitze nach Machern. Hier haben wir uns bei einer privaten Herberge angemeldet. Elke hat Platz in ihrem Einfamilienhaus und wir übernachten in dem ehemaligen Kinderzimmer. Das wird eine tolle Nacht. Hübsch bezogene Betten, Handtücher und ein tolles Bad. Die Hausherrin kam später, wir wussten wo der Schlüssel liegt. Hier macht es Spass, sich zu erfrischen und sich zu erholen. Zu dritt wandern wir dann durch den Schlosspark und kehren in die dortige Gaststätte ein. Zum Ausklang des Tages sind wir von der Herbergsmutter auf die Terrasse im Garten zum Wein eingeladen. Und jetzt: „ Es könnte uns wesentlich schlechter gehen!!!“ (Tagesetappe rund 25 Kilometer)    Beate

 

10.Tag Mittwoch  11.07.12

Die Hausherrin hat um 5:00 Uhr das Haus verlassen und als ich um halb 6 ins Wohnzimmer komme, ist der Frühstückstisch für uns drei komplett gedeckt, mit allem was dazu gehört – inklusive Joghurt und gekochtes Ei. (Auch hier allesLeipzig wieder gegen eine Spende). Ich frühstücke schon mal allein, doch da es um 6:00 Uhr anfängt zu regnen, bleibe ich sitzen. Als die Regenschauer durch ist, ziehe ich um 7:30 Uhr erst los. Der Himmel sieht grau aus. Der Weg führt durch Feld und Wald, zuerst aber an einem riesigen Golfplatz vorbei. Es zieht sich endlos durch einige Vororte von Leipzig bis dann endlich das Ortseingangsschild kommt. Aber bis Sommerfeld zur Straßenbahn, sind es noch mal gut 2 Kilometer. Mittlerweile haben mich die anderen beiden Pilger eingeholt. Wir gönnen uns um 10:00 Uhr eine Fahrt mit der Straßenbahn bis Straßenbahnazum Hauptbahnhof, so wie es uns alle empfohlen haben. Wir schauen uns die Nikolai- und die Thomas-Kirche an. Danach müssen wir natürlich in ein Straßencafé einkehren. Um 13.30 Uhr ziehe ich allein stadtauswärts. Karl besucht Verwandte und Corinna will noch ein wenig in der Stadt rumbummeln. Es geht durch das Rosental und dann Kilometerlang entlang der Luppe. Seit Leipzig scheint die Sonne, aber der Wind erfrischt mich ein wenig. Vor der Thomas Kirche in leipzigDer Weg zieht sich wie Kaugummi und ist noch mal rund 16 Kilometer lang. Auf der Hälfte dieser Strecke staune ich nicht schlecht, als Corinna plötzlich vor mir auftaucht. Sie muss, im Gegensatz zu mir, in Leipzig gleich den richtigen Weg gefunden haben. 2,5 Kilometer vor unserem Etappenziel gibt es eine Waldcafé, die „Domholzschänke“, die wir völlig entkräftet um 17:00 Uhr erreichen. Damit wir auch noch den Rest des Weges schaffen, essen wir hier Abendbrot und ruhen uns 1,5 Stunden. Die letzten 2, 5 Kilometer lassen sich dann wieder gut laufen, allerdings bekommen wir die ersten Regentropfen ab. Um 19:00 Uhr erreichen wir die Rittergutskirche in Kleinliebenau. An diese kleine Kirche ist eine ebenso kleine Herberge angebaut. Ein kleiner Raum im Erdgeschoss ist Aufenthaltsraum und Küche, dazu daneben noch Bad und Toilette. Eine steile Treppe hinauf ist oben gerade mal soviel Platz für 4 Matratzen. Eine 72 jährige Pilgerin hat sich bereits eingerichtet. Die rund 30 Kilometer von heute haben meine Blase wachsen lassen Mal sehen wie es morgen geht.

 Schöne Grüsse........Beate.

11.Tag Donnerstag  12.07.12

Ich war so k.o., das ich geschlafen habe wie ein Stein. Aber dennoch war ich wie gewohnt um 5;00 Uhr wach, also Abmarsch 5:45 Uhr. Leider fing es gleich an zu regnen, aber nur kurz. Teilweise war der Weg echt knifflig und ich musste mehrmals aufs geradewohl drauf zu laufen. Zum Glück habe ich den Weg immer wieder gefunden. Kilometerweit zog sich dann der Weg am ehemaligenMerseburg-Dom Tagebau vorbei, heute sind es zwei grosse Seen. Leider sind auch an diesem Weg die Bänke sehr rar. Mittlerweile scheint die Sonne, aber es ist sehr windig. Gut für die Regenwolken die immer davon gejagt werden. Nach mehreren Pausen bin ich um 10:30 Uhr im Merseburger Dom. Als Pilger hat man dort freien Eintritt, nur für die Fotoerlaubnis muss ich 5 Euro löhnen. Dann mache ich es mir auf dem „Entenplan“ (Foto unten) in der Mittagssonne gemütlich – esse Bratwurst und trinke Kaffee. Mit einem ausführlichen Stadtplan von der Angestellten im Dom ziehe ich um 12:45 Uhr los durch die Stadt. Leider wird dort eine neue ICE-Trasse gebaut und plötzlich stehe ich vor einer Brücke, die nicht mehr da ist. Ein netter Radfahrer erklärt mir, wie ich trotzdem auf Umwegen zum Südpark/ Tierpark komme. Allerdings ist das ein beträchtlicher Umweg. Um 13:40 Uhr am Park habe ich dann endlich wieder die Pilgerzeichen. Am Ende des Tierparks fängt es an zu donnern und schwarze Wolken hängen Domam Himmel. Es geht quer Feld ein durchs Gebüsch und plötzlich stehe ich um 14:00 Uhr unvermittelt vor riesigen Gebäudekomplexen. Es fängt an zu regnen und ich flüchte vor dem drohenden Gewitter in einen Hauseingang. Dort sitze ich auf dem Flur und beobachte den Regen, als der Hausmeister auftaucht. Dieser erklärt mir, wo ich bin. Ich sitze in einem Gebäude der riesigen Fachhochschule und erstaunlicherweise kennt er sich sehr gut aus. Bereitwillig will er mir den Weg nach Frankleben erklären, aber das reicht ihm nicht und er besteht drauf, mich aus dem Gelände zu begleiten. Mit Geleitschutz werde ich um 14:30 Uhr von ihm durch das Hochschulgelände geführt und bekomme alles Wissenswerte dazu erzählt. Dann stehen wir vor einem riesigen Abrissgelände, das ehemalige „blaue Wunder“. Hier führt der Weg in eine Wiese und dort gibt er mir den Rest der Wegbeschreibung. Gut vorbereitet erreiche ich eine Stunde später um 15:30 Uhr Frankleben und finde die Herberge in der ehemaligen Poliklinik. Dazu kann ich hier allerdings nichts berichten, denn die ist so kurios, dass es schon fast einem Panoptikum gleicht. Zum Glück landet auch Corinna hier, so dass ich nicht allein als „Kurzzeitobdachloser“ hier übernachten muss. Einzelheiten dazu kann ich nur mündlich wiedergeben. Einfach unbeschreiblich! Und das ganze live und gegen Spende für Pilger.        Beate

12.Tag  Freitag  13.07.12

Nach einer fast schlaflosen Nacht (ohne Kommentar), sind wir schon vor 4:00 Uhr wach. Um 4:45 Uhr haben wir die Nase voll und stehen auf. Um 5:30 Uhr wollen wir los und sind gespannt, ob der Chef wirklich um diese Zeit auf ist und esFähre über Saale Frühstück für uns gibt. Eigentlich rechnen wir gar nicht damit. Doch was wir sehen, ist kaum zu glauben. Der Frühstückstisch ist gedeckt, dazu ein kleines Buffet und sogar die Kerze dazu durfte nicht fehlen. Es gibt aufgebackene Brötchen, Spiegelei, Käse und Wurst, wieder gegen eine Spende. Was will man mehr??? Nach mehreren Verabschiedungen schaffen wir es, um 6.00 Uhr zu starten. Wir ziehen heute mal zu zweit los.Naumburger Dom Es geht gleich nach dem Ort Frankleben lange durch einen ehemaligen Braunkohletagebau, heute alles als Seenlandschaft und Naturschutzgebiet. Um 7:00 Uhr müssen wir unsre Ponchos rauskramen, weil es zu regnen beginnt. Um 8:30 Uhr legen wir eine Pause in einer Bushaltestelle ein. Leider sind das oft die einzigen Sitzmöglichkeiten am Weg. Auf Feldwegen geht es weiter an vielen Windrädern vorbei. Zum Regen kommt noch starker Wind – echt unangenehm zu laufen. Dann ziehen wir auf dem Fürstenweg durch Wald und Flur bis nach Freyburg. Oberhalb der Stadt rasten wir noch einmal. Hinab geht es steil an Weinbergen vorbei. Wir besichtigen die Kirche und gönnen uns dann in einem Lokal eine zünftige Mittagspause mit einem Schoppen vom dort angebauten Wein. Um 13Uhr, als wir weiter wandern, tröpfelt es noch immer, aber nicht mehr lang. Dann können wir unsere Regenponchos wegstecken. Ein wunderschöner Weg führt uns an der Unstrut entlang, bis diese auf die Saale trifft. Hier müssen wir die Fähre (Foto o. rechts) nehmen, um ans andere Ufer zu kommen. Der Weg bis hinauf nach Naumburg zieht sich nun endlos. Eigentlich hatten wir gedacht, wir sind gleich da. Aber denkste…!!! Wir werden auf einem weiten Bogen durch die Stadt geführt und zum Schluss ist es nur noch nervig, weil der Dom ewig nicht in Sicht kommt. Aber alles hat mal ein Ende, Weinbergeso auch unsere Qual, oder vielmehr die Qual für unsere Füße. Um 16:15 Uhr erreichen wir dem Dom (Foto links) und drinnen ruhen wir unsre Füße vor einem Bildschirm, der uns über den Domschatz informiert, ehe wir die Besichtigungstour beginnen. Danach gönnen wir uns Kaffee und Kuchen in einem nahegelegenen Café. Auf dem Weg in die Herberge kaufen wir uns noch was zum Abendbrot und eine Flasche Wein. Um 18:00 Uhr erreichen wir dann unsere Herberge, in einer Psychotherapiepraxis. Da die Ferienwohnung belegt ist, werden wir im Wartezimmer auf der roten Couch platziert – echt lustig. Aber wir sind froh, dass wir ein Dach über dem Kopf haben und endlich unsere Füße hochlegen können. Was wir für den Aufenthalt im Wartezimmer bezahlen müssen, wissen wir noch nicht, aber wir glauben, dass wir angesichts unseres Schlafdefizits und dem Weingenuss, tief und fest schlafen werden.   Schöne Grüße.........Beate

(Wieder gegen Spende - erfahre ich dann noch!)

                                                  "Hier wächst mein Lieblingsgetränk" *grins*

13.Tag  Samstag  14.07.12

Noch vor 22.00 Uhr ging ich ins Bett und hab geschlafen, wie ein Stein. Trotzdem war ich wieder vor fünf Uhr wach. Naja, ich habe mir noch eine halbe Stunde Ruhe gegönnt und so bin ich dann gegen 6.00 Uhr losgezogen. Es fing gleich an zu regnen und meine Stimmung sank auf den Nullpunkt. Da konnte mich auch ein offener Bäckerladen nicht übermässig aufheitern, aber Brötchen habe ich mir trotzdem mitgenommen. Man weiss ja nie!

Aus Naumburg hinaus verlaufe ich mich mehrmals, oder besser gesagt, ich suche den Weg mehrmals in verschiedenen Richtungen, so dass sicherlich mehr Kilometer zusammen kommen, als im Pilgerführer stehen. 3,5 km bis Rossbach, aber das erreiche ich, immer noch im Regen, erst nach zwei Stunden. Hier überlege ich zum ersten Mal, ob ich aufgebe. Kann ja beim nächsten Mal in Naumburg wieder starten. (Rechts: Blick zurück nach Naumburg im Regen)

Da es aufhört zu regnen, lasse ich den Gedanken fallen und laufe tapfer weiter. Der Weg nachTaxi Punschrau, der nächste Ort nach 8,5 km, führt nach einiger Zeit auf völlig aufgeweichten und matschigen Feldwegen durch die Flur. Es ist windig und dauernd verdunkelt sich der Himmel und es regnet. Als ich eine Landstrasse überquere und gegenüber den selben Matsch erblicke, reicht es mir. Ich rufe mir ein Taxi *grins*. Ich halte ein Auto an, um zu fragen, ich welche Richtung der nächstgelegene Ort kommt. Das fünfte Auto hält endlich an und ich erfahre, dass es nach rechts ca. 1,5 km nach Niedermöllern geht. Dort sitze ich gut 1,5 Stunden in einem Bushaltestellenhäuschen, bis mein Taxi mich aufsammelt (Foto links).

Also bin ich heute nur rund 10 km laut Karte gelaufen, aber durch das mehrfache Suchen sicherlich einiges mehr. Insgesamt sind es bis hierher rund 300 km gewesen, oder zwei/drei mehr. So genau kann man das nie sagen. Schade, dass ich nicht noch eine Woche Zeit habe, sonst wäre ich heute bis Eckartsberga gewandert und sicher bis nächsten Sonntag bis Vacha gekommen.            

 

 

                                                    Das wäre mein Weiterweg gewesen                                                     

Es geht weiter

Heute am 19.08.12 ging es um 07.30 Uhr von Diedorf zum Ausgangspunkt 13 km vor Eckartsberga. Um ca. 09.45 Uhr machte sich Beate mit Rucksack auf den Weg um das letzte Teilstück Ihres Pilgerweges mit dem Endziel Vacha zu erreichen.

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Proviant für unterwegs

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Macht’s gut bis in einer Woche

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weiter